Platinen selber erstellenDas Platinenlayoutprogramm Eaglevon Andreas Bohne |
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Der Dominoeffekt hat eingesetzt. Immer mehr große Unternehmen erkennen
die Zeichen der Zeit und portieren ihre Software auf Linux. Nicht umsonst
wird Linux derzeit als die treibende Kraft in der Industrie angesehen. Aber
auch die Benutzer haben durch ihre Anfragen bei den Firmen ihren Teil dazu
beigetragen, daß immer mehr Programme auch unter Linux zum Einsatz kommen
können.
Im Bereich der Platinenlayoutprogramme hat das Programm Eagle [1] schon seit langem
einen festen Platz auf dem internationalen Markt,
denn Eagle ist schon seit über 11 Jahren präsent. Damals kam
die erste Version von Eagle unter MS-DOS zum Einsatz. Inzwischen läuft
Eagle auch unter Windows und seit neuestem ebenfalls unter Linux.
Ich habe für die Leser des Linux-Magazins mal einen Blick auf die aktuelle
Beta-Linux-Version 3.55 geworfen und möchte die wichtigsten Details im folgenden
Bericht beschreiben.
Nach dem Start des Programms landet man in einem Control-Panel, von dem man dann
in die entsprechenden Teile von Eagle verzweigen kann. Schon realisierte Projekte
werden in Form eines Icons angezeigt. Die Hauptkomponenten
des Platinenlayoutprogramms sind, neben dem Control-Panel,
die Editoren für das Schaltungsschema und für die Platine (Board).
Für den privaten Gebrauch stellt CadSoft eine Light-Version des Programms zur
Verfügung. Doch keine Angst, light bedeutet in diesem Fall,
daß die Platinengröße auf eine halbe Europlatine (100x80mm) beschränkt
ist. Die zweite Einschränkung limitiert die Anzahl der Layer auf "nur" zwei - Bottom und Top
Layer; aber als Normalsterblicher kann man sowieso nicht mehr als zwei Layer belichten, geschweige
denn ätzen. Meist entwickelt man nur einseitige Platinen,
und so ist dieses Handikap eigentlich keines im wahrsten Sinne. Betonen sollte man,
daß auch in der Lightversion der Autorouter funktioniert. Neben dem Programm kann man
sich ebenfalls kostenlos die zu Eagle zugehörigen Bauteilbibliotheken herunterladen.
Und wem diese nicht reichen, der wird auf dem gut sortierten Web-Server von CadSoft fündig
oder definiert sich das entsprechende Bauteil selber und integriert es in
die Bibliothek der schon vorhanden Bauteile. Die Bibliothek mit ihren schier unzähligen
Bauteilen nimmt von den 15 MB Komplettinstallation den Löwenanteil mit ca. 9MB ein.
Des weiteren wird ein html-basiertes Hilfesystem, das jeden Befehl von Eagle
beschreibt, in englisch und deutsch mitgeliefert.
Ein weiteres, im Laufe der Jahre gewachsenes Highlight bildet der CAM-Process. Dahinter
verbirgt sich die Möglichkeit, die entwickelte Schaltung oder/und Platine auf
dem Drucker oder einem anderen Device auszugeben. Gerade hier ist Maßarbeit
angesagt, denn was nützt einem das schönste Platinenlayout, wenn man es nicht auf
Papier oder die Folie (zum Belichten) bekommt. Hier sind 1/10 mm schon Welten.
CadSoft klassifiziert die Ausgabemedien wie folgt: Matrixdrucker, Laserdrucker,
Postscript, Stift-Plotter, Gerber Plotter, Excellon und Sieb&Meyer Bohrdateien und
Bitmapdateien. Dadurch, daß CadSoft eine der ersten Firmen war, die eine
professionelle Platinenlayoutsoftware vertrieben haben, hat sich das Dateiformat zu
einem de-facto-Standard entwickelt. Auch wer seine Platine zwar selber entwerfen
möchte, sie aber nicht selber belichten und ätzen kann oder will, kann
dieses an eine Fertigungsgesellschaft abgeben. Ein Format, das diese Firmen oft
annehmen, ist das des Eagle Programms.
| Abb. 1: Eagle Control Panel |
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Dieses waren so die wichtigsten Details, die man zu Eagle im Kopf haben sollte.
Werfen wir mal einen genaueren Blick auf die Software: Wenn man eine
Schaltung erstellen möchte, fängt man für gewöhnlich mit
dem Schaltungsschema an.
Die graphische Oberfläche ist unter Zuhilfenahme
des GUI-Interfaces Zinc [3] realisiert und ist schon auf den ersten Blick ansprechend.
Dem Benutzer bietet sich Look-and-Feel in angenehmer Form.
| Abb. 2: Eagle Schema Editor |
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Dabei nimmt man sich die entsprechenden Bauteile aus der Bibliothek und plaziert das Bauteilsymbol
auf dem Schema (Abb. 2). Mit der rechten Maustaste kann man die Schaltsymbole
drehen, wenn man sie gerne anders auf dem Schema plaziert haben möchte.
Nachdem man mit dieser Phase fertig ist, verbindet man die Ein- und Ausgänge
durch Verbindungen miteinander.
Die einzelnen Phasen sind nur als gedankliche Phasen zu verstehen;
denn natürlich kann man zu jeder Zeit Elemente aus der Bibliothek nachladen oder löschen.
Bei den Leitungen ist zu beachten, da&zslig; wenn sich Linien kreuzen, heißt dieses noch lange nicht,
daß diese beiden Leitungen miteinander verbunden sind. Zu diesem Zweck muß man
noch Verbindungen (Junction) setzen. Man sollte für den Anschluß an die Stomversorgung
umbedingt ein Bauteil aus der Supply-Bibliothek verwenden.
Wenn Bauteile verwendet werden, die zB. VCC als "Pwr"-Pins
haben (die "implizit" angeschlossen werden), dann muss es auch ein Supply-
Symbol vom Typ VCC geben. Diese gibt es in der supply.lbr für alle
gängigen Versorgungsspannungen. Ein solches Symbol braucht nur auf dem
jeweiligen Plan irgendwo platziert zu werden. Damit wird dem ERC (Electrical Rule Checker)
quasi gesagt "Ja, ich weiss, daß es implizite VCC Pins gibt, und diese sollen auch
an VCC angeschlossen werden".
Dieses ist sehr
wichtig, auch wenn man das in der Schemazeichnung nicht unbedingt für nötig
hält; denn wie man im Bild sieht, werden IC nicht explizit an eine Stomversorgung
angeschlossen. Jedoch sollten sie später auf dem Board mit einer Masse und Versorgungsspannung
versehen werden.
| Abb. 3: Übersicht der wichtigsten Buttons des Schemaeditors | ||||||||||||||||||||||
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Meint man mit dem Erstellen des Schaltschemas fertig zu sein, kann man die
Schaltung im CAM-Process-Menüs auf verschiedenen Devices oder in
verschiedenen Formaten ausgegeben. Neben den Druckerformaten kann man
auch nach Tiff oder Eps exportieren, was dann sinnvoll ist, wenn man den
Wunsch hegt, die Schaltungsskizze in eine Web-Seite oder in ein Dokument einzubinden.
An dieser Stelle soll noch der Unterschied zwischen dem CAM-Prozessor-Menü und dem
Print-Menü erklärt werden. Der CAM-Prozessor dient primär dazu, die Schaltung in S/W für
den späteren Belichtungs- oder Zerspanungsvorgang auszugeben. Die Printoption gibt
den gesamten Bildschirminhalt genau so aus, wie man ihn sieht - also auch farbig.
Von dem Schema-Editor aus erzeugt man durch einen Klick auf das Boardsymbol (befindet sich in der oberen Buttonleiste) das Board. Dieses geschieht dadurch, daß Eagle zu diesem Zweck den Board-Editor startet und die Bauteile und Leitungen dem Benutzer schon mal erzeugt und neben der Platine plaziert (Abb. 4). Existiert schon ein Board zu einem Schaltschema, so wird dieses geladen anstatt eines neu aufzubauen.
| Abb. 4: Platinen-Editor |
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Der erste Schritt, nachdem aus dem Schema ein Board erzeugt wurde, ist, daß man die Bauteile von Hand auf die Platine verschieben muß (Abb. 5). Dazu definiert man am besten alle Bauteile als Gruppe und bewegt sie en bloc auf die Platine. Der Übersicht halber kann man die Platine noch auf ein geeignetes Maß verkleinern. Zu diesem Zweck klickt man den MOVE-Knopf und anschließend auf die einzelnen Kanten der Platine, um sie zu bewegen.
| Abb. 5: 2ter Schritt |
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Nachdem man soweit ist, beginnt ein wenig Fummelarbeit, denn durch Umplazieren oder Drehen (MOVE und rechte Maustaste) von Bauteilen kann man beim Routing der Leitungen starke Verbesserungen erzielen. Man kann an dieser Stelle schon schauen, daß man möglichst wenig sich kreuzende Leitungen hat. Meint man, daß alle Bauteile gut plaziert sind, wirft man den Autorouter an, der das Verlegen der Leitungsbahnen für einen übernimmt (Abb. 6). Möchte man nur einseitig routen, kann man eines der beiden zur Verfügung stehenden Layer (das Toplayer oder Bottomlayer) auf null setzen. Mit START im Autoroutermenü startet Eagle den Routing-Vorgang und man kann den einzelnen Stufen des Backtrackingverfahrens zusehen. Immer wieder werden Leitungen verlegt, gelöscht und wieder neuverlegt - so lange bis nach einer internen Kostenrechnung das optimale Ergebnis erreicht ist. Dabei werden einzelne Aktionen mit Kosten belegt. Dieses Kostentabelle kann vom Benutzer modifiziert werden, so daß ein individuelles optimales Ergebnis erreicht werden kann. Als Kostenfaktoren werden z.B. die Länge einer verlegten Leiterbahn oder die Anzahl der Durchkontaktierungen bei Multilayerplatinen betrachtet.
| Abb. 6: 3ter Schritt |
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Meint man nun durch Umdrapieren einzelner Elemente ein besseres Ergebnis
zu erzielen, kann man mit dem Befehl <RIPUP;> (oben in der Kommandozeile eingeben)
alle gerouteten Leitungen wieder auflösen. Natürlich kann man auch
geroutete Leitungen von Hand noch nachoptimieren. So pflegen Experten Leiterbahnen, die
einem 90-Grad-Knick aufweisen durch zwei 45-Grad-Winkel zu ersetzen.
Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, kann man es ebenfalls mittels des CAM-Prozessors
ausgeben. Dabei steht einem offen, ob man nur die Leitungen oder auch noch
die Namen und Werte der Bauteile incl. Symbol ausgeben möchte.
| Abb. 7: Übersicht der wichtigsten Buttons des Boardeditors | ||||||||||||||||
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Für Leute, die Geschmack an der Sache gefunden haben, soll noch erwähnt werden, daß CadSoft einen eigenen News-Server [2] mit Gruppen zu Eagle betreibt. Die Gruppen sind stark frequentiert und zweisprachig untergliedert.
| Eagle Newsgroups |
news.cadsoft.de
* eagle
*eagle.announce
*eagle.announce.eng
*eagle.announce.ger
*eagle.suggest
*eagle.suggest.eng
*eagle.suggest.ger
*eagle.support
*eagle.support.eng
*eagle.support.ger
*eagle.userchat
*eagle.userchat.eng
*eagle.userchat.ger
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Für Eagle gibt es die verschiedensten Lizenzen, die sich alle in Preis und Leistungsumfang unterscheiden. Standardmäßig gibt es die Eagle Light Version, Eagle Standard Version und Eagle Professional Version. Zudem sind Hochschullizenzen verfügbar.
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß mit der Portierung von Eagle
nach Linux ein weiterer großer Schritt getan wurde. Bei der derzeitigen Version
ist ein Display mit mind. 16 Bit Farbtiefe erforderleich. Praktisch funktioniert
es auch unter 8 Bit - nur kommt es noch zu einer Farbverschiebung.
Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, bis die Linux-Beta-Version für alle freigegeben wird.
| Fragen zu Eagle beantwortet: | ||||||||||
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| Infos |
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[1] Eagle Home Page: http://www.cadsoft.de/ [2] Eagle-News-Server Deutschland: news://news.cadsoft.de/ [3] Zinc-GUI http://www.zinc.com |